Am 8. und 9. Mai zeigt das Teatro Circo Price eines der außergewöhnlichsten und bedeutendsten Werke des Schweizer Künstlers Daniele Finzi Pasca. Die Inszenierung nutzt Theater als Mittel zur Selbstreflexion und verdeutlicht, dass künstlerische Erfahrungen uns unwiderruflich verändern – genau wie das Leben selbst.
Das 1991 erstmals präsentierte Stück, das 2021 sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feierte, wurde weltweit über 800 Mal in verschiedenen Sprachen aufgeführt und etablierte sich als eines der wichtigsten Stücke des modernen Theaters zum Thema Selbsterfahrung.
Bei jeder Vorstellung wird ein Zuschauer (von Finzi Pasca selbst zufällig ausgewählt) zum Mittelpunkt der Darstellung. Die übrigen Besucher beobachten das Geschehen schweigend und werden zu Zeugen einer tiefgreifenden persönlichen Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Struktur bricht mit den üblichen Theaterkonventionen und verwandelt die Bühne in einen Ort für Vertraulichkeit, Wagnis und gemeinsame Verletzlichkeit.
Das Stück dreht sich um das Thema Flucht, nicht im Sinne einer körperlichen Flucht, sondern vielmehr eines inneren Entkommens. Es geht darum, sich zu verlieren, um sich wiederzufinden, gewohnte Sicherheiten vorübergehend aufzugeben, um hinter die Fassade zu blicken und das zu entdecken, was sonst verborgen bleibt.
Das Drehbuch schrieb Pasca im Gefängnis, während er als Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen gegen den in der Schweiz obligatorischen Militärdienst eine kurze Haftstrafe verbüßte. Dieser biografische Kontext verleiht dem Stück eine ethische und existenzielle Dimension und verknüpft es mit Dialoghi col Sonno und Arianna zu einer Trilogie über die Flucht.
Drehbuchautor, Regisseur und Choreograf Daniele Finzi Pasca wurde 1964 in Lugano (Schweiz) geboren und ist bekannt als Mitbegründer des Teatro Sunil in der Schweiz, des Teatro Blu in Italien und der 2011 ins Leben gerufenen Compagnia Finzi Pasca. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Drama Desk Award 2006 der Broadway-Kritiker für herausragende Regie eines Musicals (Rain) sowie der Hans-Reinhart-Ring 2012 für sein Wirken als Dramatiker, verliehen von der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur.
Dauer: 90 Minuten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren